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Chronik von Kirchberg
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Ansicht aus dem Kieser'schen Forstlagerbuch 1685
© Hauptstaatsarchiv Stuttgart
Verschiedene Ausgrabungen und Funde aus römischer und allemannischer Zeit auf der Markung deuten auf eine frühe Besiedlung unserer Umgebung hin.
Urkundlich läßt sich Kirchberg jedoch erst im 13. Jahrhundert belegen.
Am 11. April 1245 nimmt Papst Innozenz IV. in Lyon das Augustiner Chorherrenstift in Backnang in seinen Schutz und bestätigt dessen Besitz an Gütern und Rechten, darunter Zwingelhausen und Kirchberg mit Zehnten und anderen Gütern.

Am 11. Dezember 1247 nimmt derselbe Papst auch das Fräuleinstift Sankt Johannes des Täufers in Oberstenfeld in seinen Schutz und bestätigt dessen Besitz, darin genannt: ein Drittel des Zehnten " in villa de kirperc " , sowie die Hälfte der Gemeinde mit Ländereien, Weinbergen, Wiesen, Fischgewässern und Mühlen.

Am 12. Juli 1302 verkauft Herzog Hermann von Teck in Esslingen seine Leute und Güter zu Kirchberg und anderen Orten um 10. 000 Pfund Heller an Graf Eberhard I. 
(den Erlauchten)  von Wirtenberg. Seit diesem Datum ist Kirchberg württembergisch.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das Land in Amtsbezirke eingeteilt. Kirchberg kam zum Oberamt Marbach.

Verschiedene mittelalterliche Aussiedlerhöfe und Weiler um Kirchberg sind im Laufe der Jahre wieder aufgegeben worden. Zwingelhausen (erstmals genannt 972 "Husa" ) und der Frühmeßhof bestehen heute noch.

Die Reformationszeit brachte auch nach Kirchberg große Unruhe. Kirchberger Bürger waren an der Spitze der Aufstände im beginnenden 16. Jahrhundert anzutreffen.

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( "Armer Konrad" 1514, Bauernkrieg 1525). Erst nach dem Augsburger Religionsfrieden 1530 normalisierte sich die Lage auch in unserer Gemeinde wieder. In dieser friedlicheren Zeit entwickelte sich das Schulwesen wieder. Bereits im Jahr 1537 wurde in Kirchberg eine Volksschule eingerichtet und 1602 das erste Schulhaus erbaut.

Der 1618 ausgebrochene 30-jährige Krieg kam erst nach der Schlacht bei Wimpfen 1622 in's Württemberger Land.
melac.jpg Die dann folgenden verheerenden Auswirkungen an Plünderungen, Verwüstungen der Felder, Hungersnöte und die 1626 eingeschleppte Pest rafften etwa ein Drittel der Bevölkerung hinweg.

Die Hälfte des Gebäudebestandes wurde zerstört. Die Bewohner flüchteten mehrmals in die umliegenden Städte oder suchten Schutz im nahen Backnanger Wald in den Dolinen, den sogenannten Heimengruben, vor den durchziehenden Heerhaufen.
Der westfälische Friede von 1648 brachte für unser Land wenig Ruhe. Ausländische Heere, vorwiegend Franzosen, zogen mehrmals plündernd und mordend durch. Sie verbrannten viele Städte und Dörfer. Kirchberg wurde auch mehrfach geplündert, so um 1693.

Nach den Kriegen Napoleons um 1815 herrschte in der ganzen Gegend große Armut. Obwohl die Bevölkerung nach der Revolution 1848 mehr Rechte erhielt, blieb die Unzufriedenheit bestehen. Deshalb kam es mehrfach zu großen Auswanderungswellen, so 1818, 1838-48 und 1856. Von Kirchberg wanderten allein 184 Personen aus, darunter auch einige Familien nach Bessarabien, die dort die Ansiedlung "Lichtental" gründeten. Nach dem zweiten Weltkrieg kehrten deren Nachkommen zum großen Teil wieder nach Kirchberg zurück.


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Ausschnitt aus der Urkarte der Württ. Landesvermessung 1832
© Landesvermessungsamt Stuttgart


Mit dem Bau der Eisenbahnlinie 1879 entstanden neue Arbeitsmöglichkeiten in den nahen Industriestädten.

Das 20. Jahrhundert mit seiner wirtschaftlichen Entwicklung von Industrie, Handel, Verkehr und Gewerbe veränderte auch das Bild unserer Gemeinde. Zu Beginn des Jahrhunderts entstanden mit der Möbelfabrik Mayer & Sieber (Renner) und den Kalkwerken zwei größere Gewerbebetriebe.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges waren die Straßenverhältnisse noch verheerend. Erst in den 30er Jahren wurde eine ordentliche Straße nach Affalterbach gebaut. Im Jahr 1930 folgte dann die Straße in Richtung Marbach und erst 1956 die Straße nach Backnang.


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Ausschnitt aus einem Luftbild vom 13. 6. 1928
© Strähle KG
Die Entwicklung zur Arbeiter-
wohngemeinde mit einer starken landwirtschaftlichen Struktur, die Ansiedlung sowie der Ausbau von Gewerbebetrieben erfolgten im wesentlichen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Viele der zugewiesenen Heimat-
vertriebenen fanden in Kirchberg eine neue Heimat und bauten sich ihr eigenes Heim.

So ist die Gemeinde bis heute mit den Teilorten Zwingelhausen, Frühmeßhof, Obertorhöfe, Neuhof und Rundsmühlhof auf über 3.400 Einwohner angewachsen.


Kirchberg hatte im Jahre 1991 = 3.417 Einwohner, eine Gemarkungsfläche von 1.317 ha und davon Wald 212 ha.

In der ländlichen Gemeinde bewirtschaften 30 Vollerwerbs- und ebensoviele Nebenerwerbslandwirte ca. 775 ha Acker- und Wiesenfläche.

In Kirchberg sind insgesamt etwa 100, vorwiegend mittelständische Betriebe ansässig.
Siehe bei Vereine / Bund der Selbständigen.
Diese Betriebe beschäftigen insgesamt 830 Personen.

1.130 Kirchberger sind Auspendler und arbeiten größtenteils in Backnang, Stuttgart
oder Ludwigsburg.

**********    Heute hat Kirchberg 3650 Einwohner.    **********

Mit Genehmigung der Gemeindeverwaltung Kirchberg a. d. Murr


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Die Gemeindemühle
in Kirchberg an der Murr

Zusammengestellt von Bürgermeister a.D. Bischoff in Oberstenfeld, Pfleger der Württ. Archivdirektion

Eine interessante Vergangenheit hat die Gemeindemühle, welche seit Menschengedenken bis zum Jahr 1880 ver-
pachtet wurde; der Besitz ist uralt. Schon bei Anlegung des ersten Gebäudekatasters im Jahr 1738 war sie im
Besitz der Gemeinde Kirchberg. Die Erwerbsart ist unnachweisbar. 1880 wurde dieses Anwesen an Jakob Frießinger verkauft, der die Mühle ununterbrochen 21 Jahre lang zuvor in Pacht hatte. Bis 1849 stand der Gemeindemühle das "Bannrecht von Rielingshausen zu, d.h. die Einwohner von Rielingshausen durften ihr Getreide nur in der Kirchberger Mühle mahlen. Dieses Recht wurde durch Gesetz vom 2. Juni 1849 aufge-
hoben. Für diesen Ausfall bewilligten die Gemeindevertreter dem damaligen Pächter einen Nachlaß von 1 Simeri, 2 Vierling Kernen pro Woche.

Am 2. November 1797 machte Bestandmüller Wieland die Anzeige, daß der Bestandakkord an Georgi 1798 zu Ende gehe und suchte um dessen Verlängerung auf weitere 3 Jahre nach. Er beklagte sich darüber, daß in den letzten Jahren durch die Franzosen seine Mühle ausgeplündert und er genötigt gewesen sei, mit seiner Familie die Mühle 8 Tage zu verlassen um im Ort Schutz zu suchen. Die Franzosen haben durch ihr Rauben die Leute abgeschreckt, so daß sie nur für die größte Not etwas mahlen ließen. Neben dem sei die Murr öfters ausgetreten und habe die Mühle verwüstet.

Mit Rücksicht darauf, daß Wieland die Bürger gefällig behandelt und in der Mühle und unter seinen Dienst-
boten gute Ordnung gehalten und keinen Vorteil gesucht, vielmehr den Bürgern von seinem eigenen Fruchtvorrat ausgeholfen habe und deswegen nie die geringste Klage gegen ihn erhoben wurde, sondern im Gegenteil alle Zufriedenheit mit ihm bezeugt worden sei, und er auch in den letzten drei Jahren durch vielfältiges Austreten der Murr und 1796 durch den Einfall und Durchmarsch der Franzosen beträchtlichen Schaden erlitten habe, auch der Gemeinde viel daran gelegen sein müsse, einen wackeren und ordnungslie-
benden Mann zum Beständer auf der Mühle zu haben, wurde beschlossen, den seitherigen Pacht von wöchent-
lich 1 Scheffel, 6 Simeri Kernen, auf weitere 3 Jahre von Georgi 1798/1801 zu verlängern und hierzu die Genehmigung der Landrechnungsdeputation einzuholen, welche am 22. Dezember 1797 erfolgt ist.

Aus einem Dekret des Herzog Friedrich II. an das Kurfürstliche Oberamt Marbach vom 22. Februar 1805 ist ersichtlich, daß neben dem Akkord von 1 Scheffel, 4 Simeri und 1 Vierling Kernen dem Magistrat durch den Müller jährlich eine "Mahlzeit" zu reichen war. Statt dieser Zehrung sollen künftig vom Pächter jährlich 12 Gulden an das Bürgermeisteramt entrichtet werden. Regelmäßig wurde der Mühlbestandsakkord von 3 zu 3 Jahren im Beisein von 2 Magistratspersonen und 2 sachverständigen Müllern vorgenommen. Der neue Beständer mußte ein gelernter Müller sein, der den Meisterbrief vorlegen konnte.

Zur Mühle gehörten 2 Morgen Äcker, ein Viertel Morgen Weinberg und ein Krautgarten. Die Mühl- und Fuhrknechte, auch der Eselstreiber mußten "unbeweibt" sein und hatten vor dem Magistrat den Eid abzu-
legen. Gebäude- und Mühleinrichtung waren von der Gemeinde, der Aalfang vom Beständer zu unterhalten. Für die Erfüllung der Vertragsverpflichtungen hatte der Müller tausend Gulden Kaution zu stellen. Für das Ausmahlen durfte der Müller als Lohn nehmen: von 16 Simeri Kernen 1 Simeri Kernen und 1 Simeri Kleie, vom Roggen und Gerste den 32. Teil, für das Reißen von Frucht, Wicken oder Hafer für das Vieh den 12ten Teil, von 1 Sack Spreuer 1 Wanne voll, sowie vom Welschkorn den 12ten Teil.

Wegen großen Wassers stund die Mühle still: von Georgi 1808/1809 28 Tage, 1809/10 5 Wochen, 1810/11 14 Tage, 1811/12 46 Tage, 1812/13 8 Tage; 1808/11 konnte die Gemeinde 338 Scheffel und 6 Simeri Mühl-
kerne verkaufen, 1822 führte die Gemeinde in der Mühle größere Reparaturen aus. Der Kostenvoranschlag betrug 444 Gulden. An Stelle des 1750 gesetzten Eichpfahles wurde 1823 ein neuer bestimmt.

Zu einem Oberamtserlaß vom 31. Oktober 1840 über den Verkauf oder die Wiederverpachtung der Mühle, hatten die Gemeindekollegien Stellung zu nehmen. Mit der Begründung, daß die Verpachtung der Mühle einen höheren Ertrag abwerfe als nach einem Verkauf die Zinsen aus dem Erlös betragen würden, beschloß der Gemeinderat, die Mühle nicht zu verkaufen. Hierauf erfolgte am 11. November 1840 die Wiederverpach-
tung auf 3 1/2 Jahre.

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Mühlengebäude um etwa 1950

Den neuen Pächtern wurden die Gebäulichkeiten und die gesamte Mühleinrichtung in gutem baulichen Zustand übergeben, welcher jedesmal eine genaue Bestandsaufnahme vorausging. Anstelle der Natural-
lieferung von 11 Simeri, ein Vierling Kernen, änderte sich ab 1840 der Wert dieser Frucht und zwar nach der Brottaxe in dem betreffenden Rechnungsjahr, so daß z.B. der Mühlepächter Eßlinger für die Zeit vom 1. Juli 1850/51 statt der Lieferung von 73 Scheffel, 2 Simeri Kernen, als Pacht 744 Gulden zu bezahlen hatte. Am 5. November 1849 wurde bei der Verpachtung der Mühle gleichzeitig auch ein Verkaufsversuch vorge-
nommen und im Falle der Verpachtung wurden von Fr. Eßlinger 10 und von C. Storz 11 Simeri Kernen pro Woche verlangt. Als Kaufliebhaber boten: Häcker 12.000 und Eßlinger 13.000 Gulden. Am gleichen Tag bot Valet von Mundelsheim 14.200 Gulden, worauf Fr. Eßlinger sein Pachtangebot auf wöchentlich 11 Simeri,
ein Vierling Kerne, erhöhte. Letzterem wurde hierauf die Pacht auf 3 Jahre zugeschlagen, und der Ver-
kaufsversuch abgebrochen. Dieser sollte erst dann wieder aufgenommen werden, wenn ein Angebot von 16.000 Gulden erfolgte.

Vom Jahr 1852 ab wurde die Pachtzeit auf 6 Jahre festgesetzt. Am 9. November 1858 übernahm Johann Jakob Frießinger aus Großbettlingen Oberamt Nürtingen die Gemeindemahlmühle, für die Zeit von Georgi 1859/65. Nach einer Durchschnittsberechnung betrugen in den Rechnungsjahren 1847/57 die Pachteinnah-
men 10.885 Gulden, welchen 662 Gulden Baukosten gegenüberstanden, so daß ein jährlicher Reinertrag von 1.022 Gulden erzielt wurde.

Da der Gemeinde bedeutende bauliche Reparaturen bevorstanden, entschlossen sich die Gemeindevertreter am 12. April 1880 zum Verkauf des Mühlenwesens. Aus den Bedingungen ist hervorzuheben, daß der Käufer die Verpflichtung zu übernehmen habe, daß das Anwesen Kundenmühle bleibe.

Zur Mühle gehörte die Wasserkraft der Murr samt Wehr. Im zweiten öffentlichen Aufruf bot der seitherige Pächter Jakob Frießinger 30.000 Mark. Nachdem Frießinger sein Angebot am 30. April 1880 auf 31.000 erhöhte, wurde von den Gemeindekollegien der Zuschlag erteilt und die Württ. Kreisregierung in Ludwigs-
burg sprach am 4. Juni 1880 zu diesem Kauf die höhere Genehmigung aus.

Im Jahre 1944 ist die Getreidemühle noch im Besitze der Frießinger.


Bis zum heutigen Tag ist die "Gemeindemühle" im Besitz der Familie Frießinger. Im Laufe der Geschichte fiel das Mühlengebäude mehrfach den Flammen zum Opfer, wurde aber jedesmal wieder aufgebaut. Noch heute ist die vertragliche Verpflichtung von 1880 aufrecht erhalten, daß das Anwesen eine Kundenmühle bleiben soll. Im Mühlelädle erhalten die Kunden Mehl in allen Sorten, Kleie, Kerne zum Selbermahlen und sonstige Getreideprodukte, die heute allerdings in Kilogramm ausgewogen werden.

Bis in die 50-er Jahre war der Bereich bei der Mühle, insbesondere beim Wehr, der Tummelplatz für die
Kirchberger Jugend: hier befand sich sozusagen das Kirchberger "Freibad".

Der Eselsteig

von Karl Roth

Dort, wo der Engelesberg (Mühlberg) in steilem Hang nach Westen abfällt und das enge, romantische Klingental, das Eichbachtal, ins Murrtal mündet, führt ein Brücklein über ein kleines Rinnsal. Geht man über dieses Brücklein in Richtung Marbach, so erblickt man rechts am Sonnenhang der Weingärten die Spuren eines alten, verwachsenen Pfades, der schräg den Hang hinaufführt. Dies ist der Eselsteig.
Vor etwa hundert Jahren waren die Straßen in Kirchberg, wie in allen Ortschaften, nicht oder nur teilweise gepflastert. Es gab noch keine Kanalisation. Das Regenwasser blieb deshalb in den Dorfstraßen stehen und bildete Pfützen, oder es wusch die weichen Straßen zu Hohlwegen aus. In regenreichen Zeiten waren die Straßen stark aufgeweicht und fast unpassierbar. Fahren konnte man sehr schlecht, weil sich an den Pfüt-
zenstellen gewaltige Schlaglöcher bildeten, die den Verkehr besonders erschwerten. Vier und mehr Pferde mußte man in solchen Zeiten vor die beladenen Fruchtwagen spannen, um überhaupt weiterzukommen. Noch schlimmer war es auf den Feldwegen, und die Vicinalstraßen waren nicht besser. Die Bäuerlein trugen ihre
Feldfrüchte, Viehfutter, Brennholz usw. meist auf dem Rücken nach Hause.

Die Bewohner der Nachbardörfer halfen sich auch gegenseitig, brachten sich Nachrichten oder schafften Getreide in die Mühle.
In Kirchberg stand eine Bannmühle, zu der auch Rielingshausen gehörte. Der Müller wollte und mußte den Leuten der Nachbardörfer entgegenkommen, besonders bei Zeiten mit schlechtem Wetter. Um die Bauern rechtzeitig beliefern zu können, brauchte er gangsichere Tiere. Darum hielt er sich zwanzig bis dreißig Esel. Dazu hielt er sich aber nur einen Eselstreiber. Diese Esel mußten das Getreide der Bauern in die Mühle tragen und ihnen das Mehl zurückbringen. Wöchentlich zwei- bis dreimal sah man die Esel mit Säcken bela-
den hintereinander bergauf und bergab steigen. Der Eselstreiber ging mit seiner langen Peitsche hinterher.
Nach Rielingshausen benützten sie den Weg beim Eichbachtal, deshalb heißt er Eselsteig.


Quelle: http://www.thomas-scharnowski.de/mill/mill.htm Deutsche Version
Source: http://www.thomas-scharnowski.de/mill/mille.htm English Version

Was sonst noch in Kirchberg geschah,
1730 - 1910

Wir blättern in Kirchenkonvents- und Gemeinderats-Protokollen

1735   Jakob H., ein beständiger Kirchenschläfer, wurde unter der Predigt von seinem Nachbarn aufgeweckt, und als er aus dem Schlaf aufwachte, hat er seinem Nachbarn eine Ohrfeige gegeben. Es gab ein großes Gelächter auf der Bohrkirche (Empore). Daher wollte man ihn zur Strafe ziehen. Aber er ist nicht erschienen. So hat man ihn jedoch zur Warnung, daß er sich des Schlafens in der Kirche enthalten solle, um einen halben Heller gestraft.
1789   Es wurden diejenigen Eltern, deren Kinder bereits das gesetzmäßige Alter zum Schulbesuch hatten, aber dennoch von der Schule ausblieben, vorgefordert und ihnen allen Ernstes aufgegeben, bei Androhung von Strafe, ihre Kinder zur Schule zu schicken und sich der Ordnung zu fügen.

Der Schneider B. von hier ist angezeigt worden, daß er das unbedachtsame Geschwätz ausbringe, der verstorbene Mann der Witwe Catharina M., Jakob M. Gerichtsverwandter, ruhe nicht nach seinem Tode, sondern er sei dem Nachtwächter Jakob L. nächtlicherweise aufgesessen. Er bekommt eine Strafe für dieses ehrenrührige Geschwätz.

Nachdem Gottlieb Sch., Schulmeister zu Unterschöntal, wegen gar geringen Gehalts seinen Dienst aufgegeben und resignieren wollte, nun aber die Zusage erhielt, von den Eltern der Kinder einen Mittags-Imbiß zu bekommen, hat er erklärt, er sei mit diesem Versprechen zufrieden und würde seinen Schuldienst auch fernerhin versehen.

1790   Nachdem beim Pfarramt vom Schulmeister die Anzeige geschehen, daß die Orgel der hiesigen Kirche so schadhaft sei, daß kaum der halbe Teil der Tasten bei Ziehung der Register mehr anschlagen - die Gemeinde sei aber so groß und zahlreich, daß eine gute Orgel zum Direktorium des Gesangs in allwegen nötig und nützlich ist -, so wurde um Genehmigung durch den Kirchenkonvent nachgesucht. Da aber die Gemeindekasse leer ist und die Bürgerschaft unvermögend, so wurde die Sache auf schiedliche Zeit ausgesetzt.

1791   Nachdem erhebliche Klage wegen überhandnehmender Unordnung in den Lichtkärzen vorgekommen, zumal in einigen Häusern ohne vorher nachsuchender Erlaubnis Lichtkärzen gehalten wurden, so ist beschlossen worden, daß von nun an, bei Bestrafung jeden Hausvaters oder Hausmutter, alle Kärzer geschlossen sein sollen. (Lichtkärzer waren Zusammenkunftsorte für junge Leute während der Wintermonate).

Nachdem der Totengräber Felix G. beim Pfarramt geklagt, daß das eine Bahr-Tuch für die Beerdigung alter Personen ganz abgenutzt und löchricht sei und er deswegen dem Schimpfen der Leute ausgesetzt sei, weil bei zwei zugleich einfallenden Leichen nicht zwei gleich gute Bahr-Tücher hergebracht werden können, so wurde beschlossen, dem Heiligenpfleger den Auftrag zu machen: Er solle sehen, ob nicht aus dem älteren, das auch noch vorhanden, das neuere, aber schadhafte wieder brauchbar gemacht werden könne. Was aber das andere Anbringen des Totengräbers betrifft, die zerfallene und einer Reparatur höchst benötigte Kirchhofmauer, so wurde solches auf eine anderwärtige Besprechung des Kirchenkonvents ausgesetzt.

Da verschiedene Eltern abermalen anfingen, ihre Kinder die Sommer-Schul sehr schlecht besuchen zu lassen, so sind selbige vor den Convent gefordert worden und ist ihnen, ihrer Ausflüchte ungeachtet, ihr sorgloses Betragen gegen ihre Kinder vorgehalten worden, die Strafe aber in Rücksicht auf die gegenwärtig harte Zeiten erlassen worden.


1795   Gottfried L. wurde heute angezeigt, daß er am Palmsonntag in der Nachmittagskirche über den Schulmeister folgende Schimpfworte ausgestoßen habe:
Man solle so einen Blitz-Sakerment nicht am Altar leiden. Dies bezeugt und unterschreibt Jakob M.. Ferner wurden einige ledige ungezogene Buben, die am Gründonnerstag in der Nachmittagskirche gelacht und geschwätzt haben, angezeigt. Sie wurden vom Vicarius zum Stillschweigen ermahnt, gaben aber nichts auf die Ermahnung, sondern machten zum Ärgernis der Gemeinde fort. Der Kirchenkonvent beschloß daher, daß jeder von denen Ungezogenen gestraft werden solle um 10 Kreuzer.

Vom Schulmeister ist die Anzeige geschehen, daß Sybilla G. in die Schule geloffen kam und wegen ihres Schulmägdleins wohlverdienter geringer Züchtigung sich öffentlich beschwerte, sich grober, ungerechter Worte bediente, auch ihr Mägdlein, dem Schulmeister zum Trotz, mit sich nach Hause genommen habe. So wurde in Betracht notorischer Armut der Mutter, ihr zur wohlverdienten Strafe und Warnung für andere, das Zuchthäusle auf 1/2 Tag von Konvents wegen andiktiert und zugesprochen.

Als am Sonntag Quasimodogeniti die Landmiliz zum Exerzieren auf dem Kirchplatz versammelt war, das Exerzieren aber erst nach der Kirche vorgenommen werden sollte, wurde die Landmiliz, die nicht weichen wollte, erst durch den Schulmeister und als sie nicht abging durch den Vicarius selbst, weggeschickt. Einige davon gingen ab, allein Jakob G., lediger Bürgerssohn von hier, schoß über den Kirchhof hinab, da bereits die Kinderlehre ihren Anfang genommen hatte. G. tat dies gegen die ausdrückliche Warnung des Vicarius, wofür ihm eine Ungehorsams-Strafe gebührt.

1850   In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde unser Land von einer großen Hungersnot betroffen. Die Bauern, die leidlich Vorräte hatten, wurden aufgefordert, Geld zu spenden und Naturalien zur Verfügung zu stellen. Die Pfarrgemeinderäte erboten sich, durch den Ort zu gehen, einzusammeln und die Gaben an Hungernde und Arme wieder auszuteilen. Aus dem eingegangenen Getreide wurde Brot gebacken und an die einzelnen Familien je nach Kinderzahl verteilt. Mit dem gespendeten Geld wurde Hanf angekauft und "den armen Weibern zum Spinnen ausgeteilt”. Einzelne Familien, die noch etwas zu essen hatten, forderte man auf, die Speisung für notleidende Familien zu übernehmen. 

1852   Die bürgerlichen Gremien und der Pfarrgemeinderat gründeten eine „Suppenanstalt”, für die von Marbacher Kaufleuten Reis, Gerste und Grieß "zu Freundschaftspreisen” gekauft wurde. Hiesige Frauen kochten dann gemeinschaftlich eine Suppe und gaben diese zusammen mit Brotrationen aus.

Reiseprediger Gustav Werner, der bekannte Begründer des Reutlinger Bruderhauses, hielt in dieser schweren Zeit hier in der Kirche verschiedene biblische Vorträge. "Er vermacht von nun an das Opfer, welches bei seinen Vorträgen bisher zu Gunsten seiner Kinderanstalt gefallen ist, dem Pfarrgemeinderat, zur Verwendung für Arme und Hungernde der Gemeinde."

Die Not nimmt immer mehr zu. Das Klagen und Seufzen der Bedrängten wird immer lauter. Die Suppenanstalt hat nur noch geringe Vorräte und dabei ist es bis zur Ernte (so am 18. Juli) noch 12 Tage!

Der Pfarrer erbietet sich, vor Beginn der Ernte eine besondere Betstunde mit Rücksicht auf die zurückliegende Notzeit und die Aussicht auf eine gesegnete Ernte zu halten. Der Pfarrgemeinderat nimmt dieses Angebot dankbar an und setzt die Betstunde auf einen Werktagmorgen 4. 30 Uhr an.

Es ist Ende August. Die Erntearbeiten auf den Feldern haben sich infolge des schlechten Wetters stark verzögert. Die Ernteaussicht ist nicht gut!


1873   Am 14. Juli sind 90% des Dinkelfeldes, 80% des Haberfeldes und 50% des Hanffeldes vom Hagel vernichtet worden. Im kommenden Jahr steht große Not an.

1874   Die von der Oberkirchenbehörde angeordnete Kollekte für hagelgeschädigte Gemeinden kann nicht durchgeführt werden, da in der Gemeinde große Not herrscht.

1879   Kirchenältester M. bringt vor, ob dem Schlafen mancher während der Predigt nicht durch kurze Zwischengesänge zu steuern wäre. Dem Vorschlag wird von keiner Seite widersprochen und es wird dem Pfarrer aufgetragen, einen Versuch damit zu machen.

1893   Ein Männergesangverein, der sich hier im Lauf des Jahres gebildet hat, möchte am Adventsfest in der Kirche zur Einleitung des Vormittagsgottesdienstes einen Choral vortragen. Die Liebe zur Pflege des Gesangs überhaupt, insbesondere aber der kirchliche Sinn, der sich in der Absicht kundgibt, das Fest durch einen Chorgesang zu schmücken, verdient Anerkennung.

1899   Schullehrer Förstner hat gemäß Gesetz vom 3 1.7.1899 den Antrag gestellt, die Mesnerei vom Schulamt zu trennen. ... Dem Antrag wird stattgegeben.

1905   Bei der kirchlichen Feier des Geburtstags seiner Majestät des Königs ist der Kriegerverein mit seiner Fahne in die Kirche gekommen. Der Pfarrer, dem dies unbekannt war, sah es erst, als er schon auf der Kanzel stand. Er hat deshalb keinen Einspruch erheben können, ohne ärgerliche Störung des Gottesdienstes hervorzurufen. Nach dem Gottesdienst ist Kirchengemeinderat L. ins Pfarrhaus gekommen und hat in erregter Weise Vorhaltungen gemacht, warum dies möglich gewesen sei. Die Kirche sei damit entweiht worden. Es sei dies der Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte. Kirchengemeinderat L. hat nach Anblick der Fahne die Kirche verlassen. Nun wollte er nicht glauben, daß der Pfarrer von der ganzen Sache nichts gewußt hatte. Er meine, so betonte er, der Pfarrer habe diesen Aufmarsch erlaubt. Der Pfarrer war verletzt und wies diesen von L. in so ungebührlicherweise vorgebrachten Vorwurf entschieden zurück. Schultheiß B. unterstützte den Pfarrer und rügte L. wegen seines Auftretens.
Kirchengemeinderat G. verstand die Erregung von L. als "Eifer im Hause des Herrn". Er äußerte sich ablehnend gegenüber Krieger-, Schiller-, und ähnlichen Vereinen. Sie seien Zeichen der letzten Zeiten und erfüllt von antichristlichem Geist und würden in der Kelter des göttlichen Gerichts zertreten. In einer späteren Sitzung mit Dekan W. aus Marbach bestätigt dieser das korrekte Verhalten von Pfarrer R. und kritisiert das Verhalten von Kirchengemeinderat L. als unpassend.

1907   Bei einer Visitation durch den Marbacher Dekan wird lobend erwähnt, daß sich ein Krankenpflegeverein am Ort gebildet hat und daß in Bälde eine im Diakonissenhaus Stuttgart ausgebildete Krankenpflegerin hier ihren Dienst aufnimmt.

1908   Der Krankenpflegeverein hatte im ablaufenden Jahr 210 zahlende Mitglieder und von diesen an Beiträgen 336,30 Mark eingenommen.

Die Krankenschwester hat auf einem Dienstgang ihre Uhr verloren. Sie erhielt sie zurück, aber in so beschädigtem Zustand, daß sie nicht mehr zu reparieren war. Die Schwester sah sich genötigt, eine neue Uhr zum Preis von 31 Mark anzuschaffen. Schultheiß B. meint, es sei Ehrensache und Pflicht des Anstands, der ohnedies gering bezahlten Gemeindeschwester diesen Schaden zu ersetzen, was auch geschieht.


1909   Es wird Klage geführt, daß die Krankenschwester durch unvorsichtige Rede und unnütze Schwätzerei vielfach Anstoß in der Gemeinde errege.

1910   Krankenschwester B. wird wegen Klatschsucht und Einmischen in Dinge die sie nichts angehen, entlassen... und verlässt die Stelle. Schwester P. wird vom Pfarrer als Krankenschwester vorgeschlagen. Sie hat ihre Krebskranke Mutter in hingebungsvoller Weise gepflegt und hat einen guten Ruf in der Gemeinde.

Quelle: Thomas Scharnowski deutsch - english
und
Streiflichter aus der Geschichte von Kirchberg an der Murr
Helmut Sorg
ISBN 3-927981-31-1


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